Am Hafen in Wismar

Wismar Hafen - kl

– Am Hafen in Wismar –

Klabund (Alfred Henschke, 1890 – 1928)

O! als ich Matrose war!
Im Takelwerk der Brigg „Blaa Fugel“ hing!
Mit breiter, brauner Brust Sturm und Sonne fing!
Irrlichter tanzten nachts auf meinem Haar.

 

O! und in Wismar im Hafen,
Es gab faule Tage, faule Fische und nichts zu tun.
Wir waren dammig dun,
Als wir Anke Hansen trafen.

 

Ich habe Anke Hansen geliebt.
Wir sind am nächsten Tage heimlich zur Wahrsagerin geflischt,
Und sie hat uns für zwei Groschen aufgetischt,
Dass der Himmel in lauter Glanz gestiebt.

 

Ich wusste, dass ich sieben Kinder kriege,
Und ein Haus auf der Insel Poel.
Und immer viel Fleisch zu essen und Butter und Mehl –
Am Abend tappte ich zum letzten Mal von ihrer Stiege.

 

Wir trieben den Morgen draussen auf weiten Föhrden,
Ich schlug vor Wut den Kapitän.
– Heut hab ich in Wismar am Hafen einen blaublonden Jungen gesehn,
Der wollte Schiffsjunge werden.

 

Advertisements

ganz in der absicht

die erste blüte

zu bewundern

trat ich näher

 

zurücktretend

neusehend

 

die schönheit der einen

bezahlten kommende

teuer

Ein Versuch – Nature – H.W. Longfellow

Nature,

Henry Wadsworth Longfellow, 1807 – 1882

 

Versuch einer Übersetzung

 

Wie liebevolle Mutter, wenn der Tag vergeht

die kleinen Kinder in ihr Bett führt, an der Hand

und diese folgen, halb in Einsicht, halb in Widerstand

zerbroch’nes Spielzeug liegen lassend, manchem Stück

immernoch nachhängend mit dem Blick;

sie weder ganz beruhigt noch getröstet hat,

versprechend anderes anstatt

das, obgleich schöner, Verlorenes nicht bringt zurück,

 

so hält’s Natur mit uns und ohne Grollen

nimmt unser Spielzeug und lässt an der Hand uns gehn

und führt zur Rast uns leise, dass wir folgen müssen

noch unklar ob wir gehn oder bleiben wollen

weil wir zu schläfrig sind, um zu verstehen

wie weit das Unbekannte endlich dann durchdringt und überwindet, was wir wissen.

A. Buck

Towel Day 2012

Handtuch (und Windel) zum Handtuchtag 2012

Es ist Handtuchtag. Ruhe in Frieden, D.A.!

Heute werden mich eine freundlicherweise von einem Familienmitglied gestiftete Kuschelwindel mit ermunternder Aufschrift (gut gereinigt und immer noch sehr saugfähig) und ein kleines Handtuch begleiten.

Übersetzungen gemeinfreier Werke und UrhR – Noch einmal Finnegans Wake, anyone?

Kurz ein paar grundsätzliche Worte zum Urheberrecht bei Übersetzungen gemeinfreier Werke –  für den Fall, dass der eine oder andere sich bereits daran gemacht hat, neue Versuche zu unternehmen Ulysses oder Finnegans Wake angemessen zu verdeutschen, denn ab 01.01.2012 zählt James Joyce zu den gemeinfreien Schriftstellern:

Wenn sichergestellt ist, dass die für das Ausgangswerk geltenden Urheberrechtsschutzfristen abgelaufen sind, steht auch einer Übersetzung des Ausgangswerkes in eine andere Sprache grundsätzlich nichts entgegen.

Durch die Übersetzung eines fremdsprachigen Textes kann ein eigenes Urheberrecht an der Übersetzung entstehen.

Bedingung dafür ist allerdings, dass eine eigene (menschliche) besondere „Schöpfung“ entsteht, die Übersetzung also einen eigenen Werkcharakter hat.

Will sagen: Bei erkennbar oder nachvollziehbar „mechanischen“ Übersetzungen durch geeignete Software, bei der nur die dann notwendigen Nachkorrekturen durchgeführt werden, dürfte das angreifbar sein. Denn das kann ja jeder jederzeit praktisch genau so machen, ohne selbst besonders schöpferisch tätig zu sein.

Dieses Thema wird in dem Maße interessanter, in dem die Software für Übersetzungen ganz langsam besser wird.

Um weiteren Missverständnissen vorzubeugen: Ein Urheberrecht kann nur an einer spezifischen Übersetzung eines einzelnen Titels entstehen und es gilt natürlich nicht: „Ich hab das Recht an einer deutschen Übersetzung, nun darf kein anderer mehr in diese Sprache übersetzen.“ Es können also unabhängig voneinander soviele Leute das gleiche Ausgangswerk in eine Sprache übersetzen wie sie wollen.

Möge die beste Übersetzung sich durchsetzen!

Und noch eins: Ist eine Übersetzung ein Gemeinschaftswerk mehrerer Übersetzer und die notwendige „Schöpfungshöhe“ wird erreicht und ein UrhR entsteht, dann erwirbt jeder Mitarbeiter ein Miturheberrecht am Ergebnis.

In Wirklichkeit sind Mecklenburger gar nicht (mehr) so …

– Auf der Weltausstellung in Chicago –

…  Schuldt kam zu mir.

Er sprach: Willst du mit auf die Weltausstellung gehen? Völß kommt auch mit. – Was wollt ihr da? – Was sehen und uns belernen. – Das kostet ein Stück Geld. – Darum stecken wir was in die Tasche. – Da sind nicht wenig Menschen. – Wenn wir ankommen, sind es noch drei mehr. – Nehmen wir unsre Frauen auch mit? – Nein. Wer sein Weib lieb hat, läßt sie zu Hause. Wir haben nachher sonst auch keinen Menschen, dem wir erzählen können, was wir gesehen haben. –

Das leuchtete mir ein.

Mein Kaufmann in Springfield hatte sich mal verheiratet. Da wollte er gern eine Hochzeitsreise machen, aber er hatte noch nicht recht was vor den Daumen gebracht. So wurde es ihm zu teuer. Darum ließ er seine Frau zu Hause und machte die Hochzeitsreise allein. So wurde es billiger. Er hat seiner jungen Frau nachher viel zu erzählen gehabt von der Hochzeitsreise. Ob sie damit zufrieden war, hat er nicht gesagt. Sie auch nicht.

Als ich darüber nachgedacht hatte, ließ ich meine Frau auch zu Hause.

Ich zog meine besten Weltausstellungsstiefel an und ging mit. …“

Aus: „Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer“, von  Johannes Gillhoff

Onleihe in Wismar – Einige Gesprächsnotizen

In einem persönlichen Gespräch vor Ort bestätigte mir gestern ein freundlicher Mitarbeiter der Stadtbibliothek Wismar, dass das Onleihe-Angebot recht gut angenommen werde. Genaue Zahlen hatte er in dem Moment (des unangekündigten Besuchs) allerdings nicht greifbar.

Auch das Angebot innerhalb des Onleiheverbundes Schwerin-Wismar verfügbarer Medien sei seit dem Start um 1/4 erhöht worden und werde weiter ausgedehnt.

Man habe unsprünglich auch daran gedacht, Veranstaltungen zur Einführung in die Nutzung der Onleihe durchzuführen. Da es dafür dann aber zunächst nicht die erforderliche Resonanz gegeben habe habe man diese Idee erstmal wieder auf Eis gelegt.

Es sei jedoch jederzeit möglich, bei den Mitarbeitern der Bibliothek Hilfestellung zur Nutzung des Angebotes zu erhalten bzw. einen Termin für eine Einführung zu verabreden, falls dies gewünscht wird.

Davon abgesehen stehen natürlich die ausführlichen Hilfen im PDF-Format oder online als Hilfethemen/FAQ hier zur Verfügung.

Von überall zur Onleihe mit dem Android-Smartphone

Für diejenigen, die

1) auf den Komfort eines  eReaders mit EInk Display gelegentlich oder ganz verzichten können und denen es vor allem auf maximale Mobilität beim Lesen ankommt

und

2) schon Nutzer einer mit dem Onleihe-System arbeitenden Bibliothek sind oder das noch werden wollen

gibt es eine ganz einfache Möglichkeit des Buchausleihens von unterwegs:

Mit der Kombination aus Onleihe Android App (im Market) und einer DRM-tauglichen eReader App, wie zum Beispiel Aldiko (im Market) können von überall ePub Bücher aus der heimischen Bibliothek ausgeliehen werden.

Für die, die noch kein Konto bei Adobe für eine zum Lesen mit Adobe-DRM geschützter Bücher notwendige ID haben ist auf diesem Wege sogar die Einrichtung eines Adobe-ID-Kontos beim ersten Ausleihen aus der Onleihe App heraus  möglich.

Insgesamt: Eine gute, schnelle und praktische Lösung, jedenfalls solange die DRM-Server arbeiten wie gewünscht.

Zum Thema Onleihe vgl. auch: Zur Onleihe in M-V

Wie man ein neues Buch öffnet

Wenn man Leute im Haushalt hat, die dazu neigen (noch oder wieder) mit vollanalogen gebundenen Büchern herum zu werfen muss man ihnen zeigen, wie man pfleglich mit solchen Schätzen umgeht.

Abgesehen von Hinweisen wie: „Seiten nicht in der Nähe der Bindung, sondern am Außenrand umblättern.“,  „Buch nicht geöffnet mit den Seiten nach unten ablegen (genau so wie man keine Brille auf die Gläser legt).“, „Nach dem Nutellabrot und vor dem (Bilder-)Buch erstmal Hände waschen.“ gibt es dann auch Gedanken für  Fortgeschrittene, z.B. zu der Technik, mit der man ein neues Buch mit Hardcover / Deckenband öffnet, ohne dem guten Stück das Rückgrat zu brechen.

Eine anschauliche Anleitung dazu gibts z.B.  auf  Boingboing zu sehen.

Auch wenn ich eBooks und eReader sehr zu schätzen gelernt habe, glaube ich nicht, dass bei uns im Haushalt und allgemein der Erwerb von Dateien oder gar bloßen Leselizenzen (DRM-limitierten Ansichtsrechten für Texte)  den Umgang mit klassischen Papierbüchern so schnell ersetzen wird.

Und wenn Bücher einmal wirklich zu reinen Sammlerobjekten werden und Neuausgaben selten, dann sollte man die obige Technik natürlich erst recht beherrschen.