Backsteinkirchen – Schönberg i.M.

Zur Fortsetzung der beliebten Serie „Mecklenburger Backsteinkirchen bei schlechtem Wetter“ (vgl. z.B. auch hier – Neukloster , hier – Dorfkirche Dorf Mecklenburg, hier – Dorfkirche und Kirchhof in Gressow und hier – Dorfkirche Hohen Viecheln), ein paar Blicke auf die Kirche St. Laurentius in Schönberg in Mecklenburg.

Gestern führte mich eine Dienstfahrt direkt dorthin (seit der völligen Fertigstellung der A20 komme ich da nur ganz selten noch direkt vorbei, früher ging der Weg nach Lübeck ja  einmal auch über die B104) und ich habe kurz eine Runde um die beeindruckend große Stadtkirche des heute kaum 5.000 Einwohner zählenden mecklenburgischen Landstädtchens gemacht.

Der Ort verdankt seine historische Bedeutung seiner langen Zugehörigkeit zum Bistum Ratzeburg und seiner Wahl als Residenzort durch Markward von Jesowe, der 1309 bis 1335 Bischof von Ratzeburg war. Dieser ließ eine schon vorhandene und seitdem ständig umgebaute und renovierte Kirche wesentlich erweitern. Für einen Blick den Innenraum fehlte gestern leider Zeit.

Ernst Barlach verbrachte hier einige Jugendjahre und ging hier zur Schule, weshalb das örtliche Gymnasium nach ihm benamst ist.

Aktuell bekanntester Absolvent/Abiturient dieses Gymnasiums dürfte übrigens Felix Jaehn, der DJ und Musikproduzent, sein.

Vor der Kirche befindet sich neben einem Lutherdenkmal aus dem Jahr 1883 auch ein 2,10 m  hohes steinernes Gedenkkreuz aus dem Jahr 1410, das für den erschlagenen  Kaufmann Hermann Karlow von seinem Sohn Vikke Karlow errichtet wurde. Wegen des trüben Wetters und mangels Schattenfall, der ein klein wenig von den Inschriften hätte sichtbar machen können, habe ich mir Fotos davon aber gespart.

Saniertes Kleinstadtidyll

Marktplatz nördlich der Kirche – Diverse Ärzte, eine Drogeriefiliale, Heimatmuseum, eine Pension mit Gaststätte.

Oh. Und ein einsamer Buchhändler, der auch als Postagentur fungiert. (Die vier Bauten der gängigen Discounterketten liegen an der nördlichen Ausfallstraße Richtung Lübeck in der Nähe des kleinen DDR-Plattenbaugebietes.)

Südseite

Südseite

Nordseite / Marktseite mit Lutherdenkmal

Und da ist es wieder

das Wasser der Ostsee. Wenn auch zum Glück nicht so hoch wie letzte Woche. Da hatten wir bis 1,91 m über dem Mittleren Hochwasser und eine schwere Sturmflut. Wir sind hier ja schließlich nicht in Le Havre und was andernorts noch lange nicht mal Tide ist ist hier schon ein Problem. – Heute sollen es maximal etwa 1,30 über dem Mittleren Hochwasser werden. Aber dennoch: Im unteren Wallensteingraben steht Hoch- und Stauwasser recht hoch an der Böschung.

Und ein Stück weiter zurück, wo der Wallensteingraben noch keine „Deiche“  hat, saufen, wie immer bei solchen Gelegenheiten, Gärten und Hinterhöfe ab. – Was gern vergessen wird ist, dass Wismar zur Gründungszeit praktisch eine Hügelsiedlung auf einer Insel inmitten von Brackwasserfeuchtgebieten war und im 16./17. Jahrhundert noch planmäßig angelegte wasserführende Festungsgräben und -teiche komplett rund um die Altstadt existierten.

Im Alten Hafen haben die Fischverkaufskutter alle Fender ausgebracht. Verkauf fällt heute sowieso flach. Und die Boote schwanken ordentlich im Wind. Gelegentlich peitscht eine Böe das Wasser über die Kante, aber noch ist Platz.

Vor der Fischereigenossenschaft, deren Räume es letzte Woche schwer getroffen hat, tanzen die Kutter.

Ein Stück weiter ist die tiefliegende Einmündung zum Schiffbauerdamm natürlich schon wieder vollgelaufen und gesperrt. Hier drückt das Wasser aus der Kanalisation in die Senke. – Entlang der alten Bahnschienen kriecht das Wasser parallel zur Fahrbahn Richtung Ulmenstraße und zum alten Zeughaus. – Auch hier war früher ständig Wasser, denn das Hafenbecken reichte zu Schwedenzeiten bis zum mit Booten anfahrbaren Zeughaus, dem Waffenlagerhaus der Schwedischen Garnison, in dem heute die Bibliothek ist. Über die Ulmenstraße herüber bis zur Bibliothek hat es das Wasser letzte Woche aber auch nicht geschafft.