Schein und Sein


Schein und Sein

An des Straßenlaufes Ecke
steht ’ne Dame
zu ’nem Zwecke
der noch auszuleuchten wäre.

Im Laternenschein
(Ich schwöre!)
ist rein gar nichts
zu erkennen,
keine Absicht zu benennen
ihrer Existenz am Ort.
Wartet sie schon lange dort?

Wartet sie auf Herrn, auf Hund
hier zu fortgeschrittner Stund
im Gefunzel dieses Lichts
oder ist es damit nichts?

Ob sie’n Wind hier auf sich nimmt
damit ihre Kasse stimmt?

Vielleicht rief sie ein Billett
ihres Mannes her, wie nett,
nach Konferenz mit „Hohen Tieren“
im Grand Hotel noch zu dinieren?

Das Täschchen schwingt an ihrem Arm
da wird mir schon vom Zuschaun kalt,
so pfeift die Luft hier ums Karree
obgleich ich ganz geschützt hier steh.

Aus dem Laden, welcher hier
gelegen ist schräg hinter ihr
kommt wer mit Karre angeschoben
hebt sie kurz an, ganz leicht nach oben,
und holt sie dann, zum Ladenschluss,
wo sie die Nacht verbringen muss.

Das ist keine Gefangennahme:
Die Puppe dient schlicht der Reklame.
A. B. 2014

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