Outsourcing und die Folgen – Gerichtsdolmetscher in England und Wales

Diese Geschichte im Guardian über den scheinbar monopolprivatisierten Vertrag der Gerichtsdolmetscher in England und Wales lohnt die Lektüre. Der Dienstleister, Applied Language Solutions, schafft es offenbar nicht, von Gerichten angeforderte Dolmetscher zu Terminen zu vermitteln, so dass Gerichtstermine und Anhörungen platzen, weil kein Dolmetscher erscheint oder unqualifizierte Kräfte (im Artikel ist z.B. von einem Au-Pair die Rede) auftauchen. Da muss man dann auch schon mal einen Festgenommen erstmal wieder vor die Tür stellen, wenn das terminlich nicht hinhaut. Und auch Zivilsachen werden dadurch insgesamt nicht billiger.

Die Misere ensteht zum einen daraus, dass natürlich die bisher tägigen Dolmetscher (z.B. organisiert in der Association of Police and Court Interpreters) andere Stundensätze bekamen, als ALS seinen Übersetzern anbietet. Die geplante zentrale Zusammenfassung des Übersetzereinkaufs erfolgte ja schließlich, um Einsparungen zu erzielen …

Zum anderen ist die Frage (und das wird aus den Artikel nicht ganz klar), ob bzw. warum in England und Wales keine besonderen Prüfungsanforderungen für Gerichtsdolmetscher bestehen, oder ob ALS durch Nichtbereitstellung solcher Kräfte einfach gegen seine Vertragspflichten verstößt.

Zur Rechtslage in Mecklenburg:

Zum Gesetz über die öffentliche Bestellung und allgemeine Beeidigung von
Dolmetschern und Übersetzern (Dolmetschergesetz -DolmG M-V) vgl. hier, für die Dolmetscherprüfungsverordnung in M-V vgl.  hier.

Update:

Weitere und neuere Informationen zur Sache gibt es auch im Transblawg hier.

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