Übersetzungen gemeinfreier Werke und UrhR – Noch einmal Finnegans Wake, anyone?

Kurz ein paar grundsätzliche Worte zum Urheberrecht bei Übersetzungen gemeinfreier Werke –  für den Fall, dass der eine oder andere sich bereits daran gemacht hat, neue Versuche zu unternehmen Ulysses oder Finnegans Wake angemessen zu verdeutschen, denn ab 01.01.2012 zählt James Joyce zu den gemeinfreien Schriftstellern:

Wenn sichergestellt ist, dass die für das Ausgangswerk geltenden Urheberrechtsschutzfristen abgelaufen sind, steht auch einer Übersetzung des Ausgangswerkes in eine andere Sprache grundsätzlich nichts entgegen.

Durch die Übersetzung eines fremdsprachigen Textes kann ein eigenes Urheberrecht an der Übersetzung entstehen.

Bedingung dafür ist allerdings, dass eine eigene (menschliche) besondere „Schöpfung“ entsteht, die Übersetzung also einen eigenen Werkcharakter hat.

Will sagen: Bei erkennbar oder nachvollziehbar „mechanischen“ Übersetzungen durch geeignete Software, bei der nur die dann notwendigen Nachkorrekturen durchgeführt werden, dürfte das angreifbar sein. Denn das kann ja jeder jederzeit praktisch genau so machen, ohne selbst besonders schöpferisch tätig zu sein.

Dieses Thema wird in dem Maße interessanter, in dem die Software für Übersetzungen ganz langsam besser wird.

Um weiteren Missverständnissen vorzubeugen: Ein Urheberrecht kann nur an einer spezifischen Übersetzung eines einzelnen Titels entstehen und es gilt natürlich nicht: „Ich hab das Recht an einer deutschen Übersetzung, nun darf kein anderer mehr in diese Sprache übersetzen.“ Es können also unabhängig voneinander soviele Leute das gleiche Ausgangswerk in eine Sprache übersetzen wie sie wollen.

Möge die beste Übersetzung sich durchsetzen!

Und noch eins: Ist eine Übersetzung ein Gemeinschaftswerk mehrerer Übersetzer und die notwendige „Schöpfungshöhe“ wird erreicht und ein UrhR entsteht, dann erwirbt jeder Mitarbeiter ein Miturheberrecht am Ergebnis.

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