In Wirklichkeit sind Mecklenburger gar nicht (mehr) so …

– Auf der Weltausstellung in Chicago –

…  Schuldt kam zu mir.

Er sprach: Willst du mit auf die Weltausstellung gehen? Völß kommt auch mit. – Was wollt ihr da? – Was sehen und uns belernen. – Das kostet ein Stück Geld. – Darum stecken wir was in die Tasche. – Da sind nicht wenig Menschen. – Wenn wir ankommen, sind es noch drei mehr. – Nehmen wir unsre Frauen auch mit? – Nein. Wer sein Weib lieb hat, läßt sie zu Hause. Wir haben nachher sonst auch keinen Menschen, dem wir erzählen können, was wir gesehen haben. –

Das leuchtete mir ein.

Mein Kaufmann in Springfield hatte sich mal verheiratet. Da wollte er gern eine Hochzeitsreise machen, aber er hatte noch nicht recht was vor den Daumen gebracht. So wurde es ihm zu teuer. Darum ließ er seine Frau zu Hause und machte die Hochzeitsreise allein. So wurde es billiger. Er hat seiner jungen Frau nachher viel zu erzählen gehabt von der Hochzeitsreise. Ob sie damit zufrieden war, hat er nicht gesagt. Sie auch nicht.

Als ich darüber nachgedacht hatte, ließ ich meine Frau auch zu Hause.

Ich zog meine besten Weltausstellungsstiefel an und ging mit. …“

Aus: „Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer“, von  Johannes Gillhoff

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