Die Diskussion ist so alt wie digitale Inhalte und landet nun, nachdem die Sache bei der Online-Vermarktung von Musikstücken weitgehend ausgestanden ist, im Bereich der eBooks:
Soll man digitale Inhalte mit digitalen Kopierschutzmechanismen (zum Digital Rights Management – kurz DRM) versehen oder nicht?
Die in diesen Bereich neu einsteigenden Verlage sind vorsichtig, manche experimentieren durchaus mit DRM-freiem Angebot; andere versuchen es mit digitialen Wasserzeichen, was meiner Meinung nach ein sehr bedenkenswerter Weg ist.
Die Branchenverbände, voran der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, haben sich dagegen offenbar erst einmal festgelegt: Man will DRM durchsetzen und in der Folge illegale Kopien verfolgen. Als Mittel dazu soll gern dienen, was in anderen Staaten, wie zum Beispiel in Frankreich mit dem sogenannten HADOPI Gesetz, schon gilt oder noch eingeführt werden soll, nämlich ein System von Warnungen nach (angeblichen) Urheber- bzw. Nutzungsrechtsverstößen und bei mehrfachem Verstoß das (zeitweilige) Abkoppeln des Übeltäters vom Internetzugang.
Ganz abgesehen von all den hochinteressanten und unsicheren juristischen Fragen einer Verfassungsmäßigkeit solcher Eingriffe, eines Richtervorbehalts, der Beweiskraft der durch die Rechteinhaber jetzt und künftig verwendeten Monitoringsoftware zur Feststellung der IP-Adresse des angeblichen Rechtsverletzers und einer Verantwortlichkeit des Anschlussinhabers für Handlungen seiner Hausgenossen oder sonstiger Dritter hat der Ansatz der DRM-Befürworter in meinen Augen einen ganz entscheidenden Fehler:
Er macht die angebotenen Inhalte für die so dringlich benötigten und umworbenen Kunden gänzlich unattraktiv.
Warum bitte soll ich als Kunde mein gutes Geld für ein reines Freizeit- und Luxus”produkt*” hergeben, das ich nur unter eng begrenzten Voraussetzungen (nur mit bestimmten Werkzeugen) und nutzen und weitergeben kann (wenn überhaupt) und mich gleichzeitig der Mühe unterziehen, dem Lieferanten auch noch die Arbeit der Verwaltung dieser Nutzungsrechte abzunehmen?
DRM für eBooks in den derzeit vorhandenen Formen ist vor allem eines: Hochgradig unpraktisch und nutzerunfreundlich.
Zumal man wenig genug erhält: Man erwirbt ja nichts außer einer äußerst beschränkten Leselizenz für einen Text.
Dafür gibt es von mir kein Geld. Und zu Lesen, meine Damen und Herren, gibt es genug legale Texte, auch ohne DRM.
PS: Interessanterweise gibt es einen Bereich, in dem ich gegen DRM keine Einwände habe: Beim Onlinebuchverleih. Das Suchen, Auschecken und mit Ablauf der Leihfrist Zurückbringen der gegen Zahlung der sehr moderaten Jahresnutzungsgebühr bei meiner Bibliothek entliehenen Bücher vor Ort entfällt und im Gegenzug wirke ich an der Administration selbst mit. Das geht in Ordnung.
Ein Link von gestern noch zur Sache: Artikel “Verleihen Verboten” via Tagesspiegel
* Zum Begriff “Produkt”: Bei eBooks nie vergessen sollte man den Umstand , dass man nichts Gegenständliches für sein Geld bekommt. Man erwirbt ein (beschränktes) Leserecht für einen Text. Quasi eine Einpersoneneintrittskarte für eine Geschichtenerzählerveranstaltung, im besten Falle mit mehrfacher/ längerer Gültigkeit.