Walfischbucht

8. Februar 2011

Berufsleser und eBook-Reader

Filed under: eBooks,eReader,Literatur,Recht,Technik — walfischbucht @ 14:31

Zunächst ein kurzer Hinweis auf die älteren Notizen von 2007 und 2009 zum Thema. Hier geht es vor allem (abgesehen von ein paar Sätzen zum iPad) um Geräte mit einem E Ink Display von 9” und größer. Dieses Posting wurde ursprünglich  im Februar 2011 erstellt und seither gelegentlich aktualisiert und erweitert.

Wie hat sich die Lage nun inzwischen entwickelt?

  • iRex hat nach Insolvenz den Endkundenmarkt verlassen. Die Nachfolgegesellschaft hat erklärt, nur noch  im Firmenkundengeschäft für Großauftraggeber tätig sein zu wollen. Zu iRex vgl. hier.
  • Plastic Logic enttäuschte alle Erwartungen, indem der angekündigte Que Pro Reader, ein lange versprochener und als Prototyp auf der CES hoch gelobter 11-Zoll-Display-Reader, gar nicht auf den Markt gebracht wurde. Plastic Logic hat verlauten lassen, statt eines monochromen Readers später einen Reader mit Farbdisplay mit der selbstentwickelten neuen Displaytechnik auf den Markt bringen zu wollen. Wann immer das sein mag. 1). Update: Eventuell vor 2013/2014 … vgl. hier, 2.) Update: Nachdem Rusnano in Plastic Logic investiert hat, versucht man offenbar, den Weg für Staatsaufträge im Bildungssystem der Russischen Förderation zu bereiten, vgl. via Digital Reader hier. 3.) Update: Nun kommt offenbar wirklich etwas, vgl. diese Pressemitteilung vom 12.9.11 von Plastic Logic hier.)
  • Apples iPad hat einen glänzenden Marktstart hinter sich gebracht. Dass das Multimedia-Tablet gerade auch als ebook-Reader vermarktet wird und sogar Anbieter von Anwaltssoftware auf diesen Zug aufgesprungen sind verwundert etwas. Ich selbst habe bauchgefühlte arge Bedenken, mit dem Gerät mit der weitgehend durch die Herstellerfirma bestimmten und geschlossenen Softwareumgebung irgendwelche elektronischen Akten zu führen. Als pdf-Anzeige-Gerät ist das iPad aber offenbar schnell und gut zu benutzen.
  • Amazon hat mit dem Kindle DXG ein Gerät mit 9,7 Zoll E Ink Display der neuesten Generation (sog. Pearl-Display) herausgebracht, das auch mit pdf-Dateien umgehen kann. In den einschlägigen Nutzerforen wird hier aber auch viel Kritik laut. Z.T. wird von versierteren Nutzern für pdf (und vor allem natürlich das epub-Format, das Kindles von Hause aus nicht beherrschen)  eine alternative chinesische Firmware mit dem Namen Duokan vorgezogen (vgl. dazu z.B. hier). Der DX wurde von Amazon nicht mit den gleichen Firmwareupdates ausgestattet wie die kleineren Modelle des Kindle und es sieht auch nicht so aus, als ob ein Nachfolgemodell geplant ist. 1) Update Okt 2012: Inzwischen ist klar, dass Amazon den Kindle DX nicht weiter produzieren lässt. Auch ein Nachfolgegerät ist nicht in Sicht.
  • Pocketbook hat mit dem Verkauf von zwei Modellen begonnen, in denen ein 9,7 Zoll E Ink (VizPlex) Display verbaut ist. Eine Version, das PB Pro 903, verfügt zusätzlich über einen eingebauten Wacom Digitizer Touchscreen,  beim preiswerteren PB Pro 902 fehlt dieser (Produktdetails) via Pocketbook . Erfahrungen mit den Geräten sind z.B. in den Pocketbook-Foren auf Mobileread gesammelt. 1) Update: Zur IFA 2011 wurde, neben einem neuen Android-Tablet, auch der 912 vorgestellt, vgl. z.B. via goodereader.
  • Jinke Hanlin hat nun nach jahrelanger Ankündigung auch zwei große Reader im Angebot. Es handelt sich dabei um ein  9,7 ” Gerät mit E Ink Pearl Display und ein 9” Gerät mit Sipix-Display. Jinke Hanlin
  • Hanvon hat inzwischen neben einem eigenen monochromen Reader der 9,7 ” Display-Klasse, dem WISEreader E920, auch einen eReader in einem neuen, spannenden Gerätebereich herausgebracht, den WISEreader C920. Letzterer kann mit einem farbigem 9,7 ” TRITON E Ink Display  aufwarten. Solche Geräte dürften vor allem für die Nutzer von Dateien mit einer Vielzahl eingebundener Grafiken interessant werden. Wenn diese in Europa auf den Markt kommen ist allerdings zunächst mit einem Preis nicht unter 450,- bis 500,- EUR zu rechnen. In den USA (über die Firma ECTACO unter dem Namen ECTACO jetbook colour vermarktet) soll der künftige Einführungspreis rd. 500,- USD betragen. Zum Gerät vgl. auch diesen Artikel bei cme.at hier und dieses Video, sowie diese Links zum Thema Colour EINK neben Mirasol (CES 2012). Wie hier schon kurz angesprochen, hat der ECTACO jetbook colour mit der derzeitgen Firmware bei Nate Hoffelder aber leider bisher keine Begeisterung geweckt.
  • enTourage Systems – Update: Die folgenden Sätze beziehen sich auf ein Gerät, das allenfalls noch in Restbeständen aus Abverkäufen oder gebraucht erhältlich ist. enTourage Systems hat seine Geschäftstätigkeit eingestellt, die Forumsserver wurden mit dem 31.05.2011 vom Netz genommen. Es gibt keinerlei offiziellen Support und keine Garantie mehr für dieses schöne Gerät, das leider keinen hinreichenden Abnehmerkreis gefunden hat. Geräte die laufen, laufen weiterhin gut. Nutzerunterstützung von Nutzern für Nutzer gibt es vor allem noch im eDGe Forum auf mobileread.comenTourage Systems hatte seit Anfang 2010 den enTourage eDGe  im Verkauf. Dabei handelt es sich um eine Art Hybridgerät aus eReader (mit 9,7 Zoll E Ink Display und Wacom Digitizer Touchscreen) und Android Tablet (das Gerät verfügt zusätzlich über ein 10 Zoll LCD-Touchscreen-Display). Das Ganze ist zusammenklappbar und mutet nach Art und Gewicht wie ein Netbook ohne Tastatur an. Das Zusammenspiel der Nutzung der beiden Displays auf dem Gerät, das unter Android 1.6 läuft, ist allerdings gut gelöst. Hier ist eine Anzeige von pdf-Dokumenten sowohl auf dem E Ink-Diplay alsauch auf dem LCD-Display möglich. Auf dem E Ink-Display können pdf-Dateien (ebenso wie epub-Dateien) auch mit abspeicherbaren oder per mail versendbaren Anmerkungen versehen werden. Seit Anfang April 2011 gibt es die Möglichkeit,  auf Wunsch ein Update der Firmware des eDGe (und des kleinen Bruders Pocket eDGe) auf Android 2.2 (Froyo) vorzunehmen, allerdings bisher nur als BETA-Version. Ob und wann eine Endversion erscheint ist derzeit unklar. Mehr kam bis zur Insolvenz nicht mehr. Die Geräte erfüllen ihren Zweck aber wie bisher auch mit der Android 1.6 – Firmware weiter. – Einen kurzen Blick auf den eDGe gibt es auch hier im Blog. – Das Gerät soll angeblich weiter in Malaysia hergestellt und durch Akademkniga/Uchebnik in der Russischen Föderation vermarktet werden, vgl. hier via The Digital Reader.

Geräte, die die im März 2009 genannten Anforderungen von Berufslesern an eReader vollständig erfüllten, sind weiterhin nicht am Markt:

• Berufsleser bräuchten Lesegeräte, die über ein Display verfügen, das jedenfalls die bequeme Darstellung/Lesbarkeit einer DIN-A4 Seite 1:1 ohne Zoomfunktion erlaubt:

Hier kommen die genannten aktuellen Geräte schon heran. Ohne Zoomen und Scrollen oder die vorherige Formatierung von pdf-Dateien am Rechner geht es aber weiterhin nicht.

Das so hoch gelobte und reichlich beworbene iPad (das ich in die Überlegungen wegen des ja gerade nicht Eink-vergleichbaren LCD-Displays eigentlich hier gar nicht einbeziehen möchte) hat eine Stärke: Die Darstellung von pdf-Dateien erfolgt flüssig und schnell. Lesen, vergrößern und scollen ist also kein Problem. Ohne Displayfolie macht das wegen der Spiegelungen aber wenig Spaß.

Der enTourage eDGe bot ein 9,7 Zoll E Ink Display, auf dem sich pdf- und ePub-Dateien gut lesen lassen. Ausschnittweises Vergrößern funktioniert bei pdf-Dateien gut, Reflow ist möglich. Schnelles Blättern ist wegen der Eink-Displaytechnik nicht die Stärke des Geräts, dafür gibt es gute Darstellung auch in direkter Sonneneinstrahlung ohne wesentliche Spiegelungen.

Die Firmware der Pocketbook Geräte bietet, dem Diskussionsstand auf einzelnen Internetforen wie Mobileread oder e-Reader-forum nach zu urteilen, gute Ansätze, ist aber offenbar noch verbesserungswürdig.

• Berufsleser bräuchten eine Software auf dem Gerät, die verschiedene Suchfunktionen, nämlich das Anspringen von Gliederungspunkten, Seitenzahlen und einzelnen alphanumerischen Suchbegriffen verlässlich und präzise erlaubt:

Hier sollte jeder nach Möglichkeit die einschlägigen Nutzerforen durchforsten bzw. einen Praxistest der Firmware des jeweiligen Gerätes durchführen. Die Gerätebeschreibungen lassen für den Interessierten nicht ansatzweise erkennen, ob sich die insoweit jeweils gehegten Erwartungen dann tatsächlich erfüllen lassen.

• Berufsleser bräuchten eine leichte Möglichkeit des Datenaustauschs mit anderen Rechnern/Netzwerken:

Wifi, USB-Anschlüsse, SD-Card-Einschübe, Bluetooth erlauben hier inzwischen guten Zugriff. Die Komplexität des tatsächlichen Datenaustausches ist dann eine Frage der jeweiligen Firmware bzw. der verwendeten Softwareumgebung.

Ein Manko tragen aber alle eReader für den Berufsleser weiterhin: Es fehlt an einer verlässlichen Möglichkeit, Inhalte zu verschlüsseln bzw. den Zugriff auf das ganze Gerät nachhaltig zu sperren.

• Berufsleser bräuchten ein Gerät, das robust ist und mechanischen Beanspruchungen durch Transport (Druck, leichte Verwindung) verlässlich standhält:

In dieser Hinsicht hatte der eTourage eDGe wegen seiner Gerätebauweise sicher seine Vorteile. Andererseits war er aufgrund seiner Bauweise natürlich auch viel schwerer als die anderen Geräte. – Hier hilft für die reinen eReader/Tablets letztlich nur eine sehr robuste Einsteckhülle als Schutz.

1 Kommentar

  1. [...] wir doch einmal dahin kommen, dass das Lesen A4-formatiger PDFs (an denen Berufsleser ja weiterhin interessiert sind bzw. sein müssen)  auch auf Geräten mit 6“ Display [...]

    Pingback von Bookeen Cybook Odyssey – EInk rasant gemacht « Walfischbucht — 30. November 2011 @ 8:40


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